Stift Melk Musemsrundgang durch 900 Jahre Geschichte
Seit 1089 leben Benediktinermönche in Melk, nachdem Markgraf Leopold II. die Burg den Benediktinern übergeben hatte. Seine heutige Gestalt erhielt das Stift vor allem im 18. Jahrhundert unter Abt Berthold Dietmayr. Jakob Prandtauer plante den monumentalen Neubau, an dessen Ausstattung einige der bedeutendsten Künstler des österreichischen Barock beteiligt waren. Wer heute durch die Kaiserstiege und den rund 200 Meter langen Kaisergang geht, betritt damit nicht einfach ein historisches Kloster. In den ehemaligen Kaiserzimmern beginnt das Stiftsmuseum. Seine Ausstellung „Vom Gestern ins Heute“ versucht dabei etwas, woran historische Museen gelegentlich spektakulär scheitern: Geschichte zu erklären, ohne den Besucher unter Jahreszahlen zu begraben.
Das Museum erzählt die Entwicklung des Klosters nicht chronologisch in endlosen Vitrinen, sondern gliedert die Räume nach Themen. Benedikt und die Entstehung seines Ordens stehen ebenso im Mittelpunkt wie die Babenberger, der heilige Koloman, Romanik und Gotik, Josephinismus und das Leben im heutigen Kloster. Zu den herausragenden Exponaten gehört der Melker Altar von 1502, geschaffen von Jörg Breu dem Älteren. Modelle und originale Kunstwerke machen zugleich deutlich, wie radikal sich die mittelalterliche Anlage mit dem barocken Neubau veränderte. Das funktioniert auch für Besucher ohne theologisches Vorwissen. Schließlich ist Melk kein aufgegebenes Kloster, das nachträglich zum Museum erklärt wurde. Die Benediktinergemeinschaft besteht bis heute, und genau diese Verbindung von historischer Sammlung und gegenwärtigem Klosterleben prägt die Ausstellung.
Vom Museum führt der Rundgang in den Marmorsaal, der einst für den Empfang und die Bewirtung weltlicher Gäste bestimmt war. Danach öffnet sich auf der Altane der Blick über Melk und das Donautal. Anschließend folgt die berühmte Stiftsbibliothek mit rund 130.000 Bänden, darunter etwa 1.800 Handschriften und 750 Inkunabeln. Seit Januar 2026 werden ihre Prunksäle umfassend restauriert, ein Projekt, das bis 2032 angelegt ist. Für Besucher bedeutet das allerdings keine verschlossene Tür: Die Bibliothek bleibt während der Arbeiten geöffnet, Teile der Bestände wurden ausgelagert und barocke Bücher bleiben in den Schauräumen sichtbar. Damit lässt sich derzeit sogar beobachten, welcher Aufwand nötig ist, um einen solchen historischen Raum nicht nur zu bewundern, sondern für kommende Generationen zu erhalten.
Am Ende des Rundgangs wartet der Raum, auf den die gesamte barocke Anlage zuläuft: die Stiftskirche. Sie ist keine dekorative Zugabe zum Museum, sondern der wichtigste Raum des Benediktinerklosters. Prandtauer schuf die architektonische Grundlage, die Innenausstattung entwickelte sich zu einem Zusammenspiel aus Marmor, Stuck, Fresken, vergoldeten Figuren und mächtigen Altären. Für den Besucher ändert sich damit schlagartig die Perspektive. Im Museum wird Geschichte erklärt, hier sollte Architektur selbst eine Botschaft vermitteln. Barocke Kirchen wollten nicht dezent sein, und Melk macht bei dieser Regel erfreulicherweise keine Ausnahme. Nach mehreren Räumen voller Kunst- und Klostergeschichte steht man plötzlich mitten in jenem Weltbild, das zuvor beschrieben wurde. Gerade deshalb funktioniert die Stiftskirche als Abschluss des Rundgangs so gut.
Für eine vollständige Besichtigung sollte man deutlich mehr Zeit einplanen als für die etwa 50-minütige Führung. Das Stift selbst empfiehlt für Museum, Kirche, Bibliothek, Nordbastei, Sonderausstellungen und Park rund zweieinhalb Stunden. Vom 1. April bis 31. Oktober 2026 ist die Stiftsbesichtigung täglich von 9 bis 17.30 Uhr möglich, letzter Einlass ist um 17 Uhr. Zum Ticket gehören Kaiserstiege, Kaisergang, Museum, Marmorsaal, Altane, Bibliothek und Stiftskirche sowie Nordbastei und Wachaulabor; von April bis Oktober ist auch der Stiftspark eingeschlossen. Wer Melk nur als kurzen Zwischenstopp auf dem Weg nach Wien behandelt, kalkuliert deshalb besser etwas großzügiger. Das Gebäude hat die unangenehme Eigenschaft, erheblich mehr Zeit zu beanspruchen, als man ihm auf dem Reiseplan zugestanden hat