München stellt sich selbst ins Museum

Verfasst von: Stefan Siedler
Das Münchner Kindl
Das Münchner Kindl  Bild: Stefan Siedler
München (D) [SiS24 Media] München wächst, verändert sich und ringt um seine Identität. Die Ausstellung „What the City. Perspektiven unserer Stadt“ macht daraus zehn begehbare Kapitel. Während das Münchner Stadtmuseum saniert wird, zeigt die Interimsschau im historischen Zeughaus, wie unterschiedlich Menschen ihre Stadt erleben. Der Eintritt ist frei, die Ausstellung barrierefrei zugänglich.

Seit Januar 2024 ist der größte Teil des Münchner Stadtmuseums wegen der Generalsanierung geschlossen. Die Wiedereröffnung ist für 2031 vorgesehen. Ganz verstummt ist das Haus während dieser langen Pause aber nicht: Im Erdgeschoss des historischen Zeughauses am St.-Jakobs-Platz läuft die Interimsausstellung „What the City. Perspektiven unserer Stadt“. Dafür wurde der frühere Zugang zum Platz wieder geöffnet und der Ausstellungsraum barrierefrei erschlossen. Auch das Filmmuseum setzt sein wechselndes Kinoprogramm noch bis Juni 2027 fort. Die Ausstellung selbst endet bereits am 18. April 2027. Dann wird der hiesige Ausstellungsraum selbst zum Platz der Restaurierung.

(Bild: Stefan Siedler)

Sieben Kuratorinnen und Kuratoren betrachten München aus verschiedenen Blickwinkeln. Ihre Ausstellung gliedert sich in zehn sogenannte Cities, die jeweils ein akutelles Thema der Stadtgesellschaft aufgreifen. Es geht um Sicherheit und Armut, um Gleichberechtigung, um bezahlbaren Wohnraum, um Tradition und Wachstum, aber auch um die schwierigen Lebensbedingungen von Kunstschaffenden. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit antirassistischen Bewegungen, der queeren Gemeinschaft, dem Umweltschutz und dem Wandel des Nachtlebens. Dabei bleibt die Stadt kein abstrakter Gegenstand. Münchnerinnen und Münchner kommen selbst zu Wort, persönliche Erfahrungen treffen auf historische Objekte und gegenwärtige Konflikte. Das abschließende Kapitel „My City“ richtet den Blick nach vorn und fragt, wer Münchens Zukunft prägt und welche Vorstellungen dabei miteinander konkurrieren.

(Bild: Stefan Siedler)

Im Kapitel „Safe City“ steht ein Widerspruch im Mittelpunkt: München gilt als sichere Großstadt, doch dieses Sicherheitsgefühl teilen längst nicht alle Menschen. Die Ausstellung fragt, wer sich im öffentlichen Raum überhaupt noch geschützt fühlt und wer genau dort Ausgrenzung erlebt. Dabei geht es auch um den Umgang mit wohnungslosen Menschen. Andere Kapitel zeigen, wie teuer gewordener Wohn- und Arbeitsraum das kulturelle Leben verändert oder welche Rolle queere und antirassistische Bewegungen für die Stadtgesellschaft spielen. Ausgewählte Exponate, Interviews und persönliche Positionen verbinden Geschichte und Gegenwart. Regelmäßige Führungen eröffnen zusätzliche Einblicke in die Entscheidungen der Kuratorinnen und Kuratoren. Die jeweiligen Termine veröffentlicht das Museum in seinem laufenden Veranstaltungsprogramm jeweils mit genauer Themenangabe.

(Bild: Stefan Siedler)

„What the City“ dient zugleich auch als das Versuchsfeld für das München der Zukunft. Besucherinnen und Besucher bleiben nicht auf die Rolle stiller Betrachter beschränkt, sondern können sich an interaktiven Medien- und Mitmachstationen aktiv beteiligen. Einige Angebote lassen sich ertasten und damit auch von blinden oder sehbehinderten Menschen selbstständig nutzen. Die kostenlose Web-App bietet zusätzliche Inhalte auf Deutsch und Englisch. Hinzu kommen Videos in Deutscher Gebärdensprache sowie eine Audiospur mit Beschreibungen und Hinweisen zur Orientierung. Auch Wandtexte in Einfacher Sprache gehören zum Konzept. Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Damit bleibt das Stadtmuseum trotz jahrelanger Sanierung am angestammten Standort sichtbar.