Zwei Museen, zwei Umzüge – und die Frage nach dem nächsten Ort
Anno 2025 führte der Rundgang durch Räume voller Schalter, Maschinen und Messgeräte. Die Teltowkanalstraße war für das Energie-Museum mehr als eine Adresse: Das Gebäude gehörte zur Geschichte, die dort erzählt wurde. Jetzt ist der Auszug abgeschlossen, bestätigt der Vereinsvorsitzende Friedrich Hohensee auf Anfrage. Ein neuer Standort steht nicht fest, ein Termin für die Wiedereröffnung ebenso wenig. Wo die Sammlung zurzeit untergebracht ist, teilte der Verein nicht mit. In Radebeul läuft die Uhr anders, aber ebenfalls gegen ein Museum: Im Gasthof Serkowitz bereitet das Lügenmuseum seinen Abschied vor. Noch ist ein Besuch möglich.
Das frühere Museumsgebäude beherbergte ab 1986 ein Batterie-Speicherkraftwerk. Seine Aufgabe war handfest: Das vom Umland getrennte West-Berliner Stromnetz brauchte eine Anlage, die Schwankungen ausglich und bei Störungen sofort Leistung bereitstellte. Die Spitzenleistung betrug 17 Megawatt, die Speicherkapazität 14,4 Megawattstunden. Ende 1994 wurde die Anlage außer Betrieb genommen. Im Museum machte eine erhaltene Speicherzelle die Größe dieser Technik greifbar. Wer heute über Batteriespeicher spricht, sieht meist Container, Apps und Diagramme. In Lankwitz stand ein Stück ihrer Vorgeschichte vor den Besuchern. Mit dem Auszug verschwindet auch der Zusammenhang zwischen Ausstellungsstück und historischem Betriebsort. Die Zelle bleibt erhalten; ob und wie sie künftig wieder öffentlich zu sehen ist, hängt vom neuen Standort ab.
Mehr als 5.000 Exponate zählt das Energie-Museum nach eigenen Angaben. Kraftwerks- und Netztechnik gehören dazu, aber auch Telefone, Radios und Geräte aus Haushalten. Die Ehrenamtlichen erzählten bei Führungen, wofür ein Bauteil gebraucht wurde und wie Menschen damit arbeiteten. Ein schwerer Stellmotor erklärt sich schließlich nicht selbst. Diese Mischung aus Sammlung und Berufserfahrung machte den Besuch aus. Sie lässt sich nicht einfach in Kisten verpacken. Für eine neue Ausstellung braucht es tragfähige Böden, Transportwege, Lager und Werkstätten; empfindliche Messgeräte stellen andere Anforderungen als große Maschinen. Noch schwieriger ist die Frage, wie der Verein Räume, Betrieb und Vermittlung dauerhaft bezahlen kann. Eine leere Halle allein löst das Problem nicht. Auch regelmäßige Führungen brauchen genügend Helfer und verlässliche Öffnungszeiten.
Im sächsischen Radebeul ist der Ort selbst noch stärker Teil der Ausstellung. Dorota und Reinhard Zabka haben den Gasthof Serkowitz mit ihrem Lügenmuseum in ein begehbares Gesamtkunstwerk verwandelt. Fundstücke, Bilder und Installationen füllen die Räume; ein Umzug bedeutet hier mehr als den Transport einzelner Objekte. Nach dem Räumungsstreit mit der Stadt kündigen die Betreiber für den 26. September eine Finissage an. Bis zum 30. September soll das Museum täglich von 13 bis 17 Uhr geöffnet sein. Wie die Arbeiten nach dem Abschied vom Gasthof wieder zusammenfinden, ist offen. Ausgerechnet ein Haus, das lange leer stand und durch Kunst zum Ausflugsziel wurde, verliert damit seine bisherige Nutzung. Seine Atmosphäre lässt sich nicht einfach an eine andere Adresse mitnehmen.
Die beiden Museen erzählen verschiedene Geschichten. Berlin zeigt, wie Strom erzeugt, gespeichert und verteilt wurde. Radebeul lädt dazu ein, Gewohntes mit den Augen der Kunst anzuzweifeln. Gerade deshalb lohnt die Frage, ob eine Zusammenarbeit bei der Standortsuche beiden hilft. Eine gemeinsame Adresse mit getrennten Ausstellungen und geteilten Werkstätten oder Veranstaltungsräumen ist ein redaktioneller Vorschlag, kein angekündigtes Projekt. Ein solcher Ort muss zu beiden Sammlungen passen und die Entfernung zwischen Berlin und Radebeul berücksichtigen. Auch die unterschiedlichen Anforderungen an schwere Technik und raumgreifende Kunst sind zu klären. Vielleicht führen am Ende zwei verschiedene Wege zu zwei neuen Häusern. Entscheidend ist, dass die Objekte wieder zugänglich werden und die Menschen, die ihre Geschichten kennen, weiter vor Publikum davon erzählen können.